Charakter des Bezirks
Zwischen Kaisertum und Kaffeehaus
Kaum ein Fleck der Stadt trägt so viel Geschichte auf so wenig Fläche wie die Innere Stadt. Innerhalb des Rings, dort wo einst die Stadtmauer stand, reihen sich Palais, Kirchen und Kaffeehäuser dicht aneinander, ohne dass der Bezirk dabei musealen Charakter annimmt. Menschen leben hier, kaufen ein, treffen sich auf einen Espresso am Graben oder verschwinden in einem der ruhigen Innenhöfe, die vom Trubel der Kärntner Straße kaum etwas ahnen lassen.
Der erste Bezirk ist zugleich Wiens repräsentativste und intimste Adresse. Direkt am Stephansplatz zeigt sich das auch architektonisch: die gläserne Rundung des Haas-Hauses spiegelt die gotischen Türme des Doms, alt und neu in einem Bild. Wer genauer hinsieht, findet zwischen Souvenirläden und Luxusboutiquen noch immer die kleinen Beisln, Buchhandlungen und Werkstätten, die dem Grätzl seinen eigentlichen Charakter geben.
Nur rund 16.000 Menschen leben in der Inneren Stadt, mit sinkender Tendenz, während tagsüber ein Vielfaches an Beschäftigten und Geschäftsleuten die Gassen füllt. Abends und am Wochenende wird es in vielen Straßenzügen auffallend still, denn ein großer Teil der Gebäude wird als Büro, Kanzlei oder Botschaft genutzt. Die verbliebene Wohnbevölkerung ist überdurchschnittlich alt und gebildet und lebt oft allein, Kinder sieht man im Straßenbild selten.